UniversitĂ€res Zentrum fĂŒr Schwerbrandverletzte: Teil eines starken europĂ€ischen Netzwerks
GroĂe Krisen zeigen, wo Systeme versagen â und wo sie tragen. Das UniversitĂ€re Zentrum fĂŒr Schwerbrandverletzte am Uniklinikum Graz ist seit rund fĂŒnf Jahren ein zertifizierter, verlĂ€sslicher Eckpfeiler der internationalen Einsatz- und Katastrophenmedizin. DafĂŒr erhielt das Zentrum zuletzt Dank und Anerkennung aus dem Bundesministerium fĂŒr Inneres. Schwere Brandverletzungen zĂ€hlen zu den komplexesten und arbeitsintensivsten Verletzungen ĂŒberhaupt.
Einsatzmedizin bedeutet medizinische Versorgung unter Ausnahmebedingungen: schnell, koordiniert, oft unter extremen UmstĂ€nden. Sie greift bei VerkehrsunfĂ€llen, BrĂ€nden, Naturkatastrophen, TerroranschlĂ€gen oder auch bei der Evakuierung Schwerverletzter aus Kriegsgebieten. Ihre Wirksamkeit basiert auf regionaler, ĂŒberregionaler und internationaler Zusammenarbeit. Denn professionelle Einsatzmedizin endet nicht am Ort des Geschehens, sondern setzt sich entlang der gesamten Rettungskette fort â bis hin zu hochspezialisierten Zentren, die Schwerverletzte rund um die Uhr aufnehmen und versorgen können. Dazu zĂ€hlen spezialisierte Zentren wie das UniversitĂ€re Zentrum fĂŒr Schwerbrandverletzte am Uniklinikum Graz: Was hier zu VerfĂŒgung steht, ist Hochleistungsmedizin, ausgerichtet auf Ausnahmebedingungen: 38 Grad Raumtemperatur im OP-Saal, um Patient*innen mit schweren Verbrennungen wĂ€hrend Operationen vor lebensbedrohlicher UnterkĂŒhlung zu schĂŒtzen; spezielle âSandbettenâ, die â oft ĂŒber Wochen â eine nahezu schwerelose Lagerung der Patient*innen ermöglichen; eine Gewebebank im Haus mit sofort verfĂŒgbarem Hautersatz.
âDiese Hochleistungsmedizin fĂŒr Opfer von schweren Brandverletzungen ist in Europa nur an wenigen Standorten verfĂŒgbarâ, sagt Lars-Peter Kamolz, Leiter des Zentrums fĂŒr Schwerbrandverletzte am Uniklinikum Graz, das hauptverantwortlich fĂŒr die Behandlung von Brandopfern in Graz und darĂŒber hinaus ist.
24/7-Einsatzbereitschaft â auch fĂŒr Kriegsverletzte
Die Unverzichtbarkeit internationaler Kooperation zeigt sich besonders deutlich seit Beginn des Ukraine-Kriegs. âImmer wieder werden schwer verletzte Patient*innen nach Ăsterreich gebracht. Erst vorige Woche kam ein Patient mit komplexen Kriegsverletzungen zu unsâ, sagt Kamolz. âDiese Verletzungen erfordern eine hochspezialisierte, interprofessionelle Versorgung, die nur wenige Zentren in Europa leisten können.â Je nach Bedarf werden Patient*innen nach Katastrophen- oder Kriegsgeschehen in andere LĂ€nder ĂŒberstellt. Spezialisierte Einrichtungen wie jene in Graz stehen dabei in stĂ€ndigem Austausch miteinander.
Eingebunden in ein abgestimmtes europÀisches System
Wenn Staaten nach Katastrophen ĂŒber internationale Hilfsnotruf-Mechanismen um UnterstĂŒtzung ersuchen â wie etwa jĂŒngst nach der Brandkatastrophe im Schweizer Skiort Crans-Montana â greifen diese eingespielten Systeme. Weil sie von allen beteiligten LĂ€ndern und Institutionen gezielt und bewusst gefördert und unterstĂŒtzt werden. So entsteht Resilienz innerhalb der Strukturen der internationalen Einsatzmedizin. Beispielsweise werden in enger Abstimmung zwischen dem Bundesministerium fĂŒr Inneres, dem Land Steiermark und dem Uniklinikum Graz in kĂŒrzester Zeit verfĂŒgbare KapazitĂ€ten â in diesem Fall an die Schweiz â gemeldet. Auch wenn, wie im konkreten Fall, schlieĂlich kein Patient ĂŒberstellt wird, bleibt das Angebot aufrecht â als Teil eines solidarischen europĂ€ischen Versorgungssystems.
âUnser Zentrum ist eng in ein internationales Netzwerk eingebunden und arbeitet mit den anderen fĂŒhrenden Verbrennungszentren, Forschungseinrichtungen und Fachgesellschaften in Europa und darĂŒber hinaus zusammenâ, erklĂ€rt Lars-Peter Kamolz. Seit Jahren erfĂŒllt es eine SchlĂŒsselrolle in der internationalen Einsatz- und Katastrophenmedizin. DafĂŒr erhielt das Zentrum zuletzt ein Dankesschreiben aus dem Bundesministerium fĂŒr Inneres. âDie Anerkennung geht an alle Mitarbeiter*innen, ich möchte sie aber auch erwidernâ, sagt Kamolz. Denn âdamit Brandopfer oder kriegsverletzte Menschen rund um die Uhr bei uns versorgt werden können, braucht es das Commitment und die Zusammenarbeit aller Beteiligten, bis hinauf in die Politikâ, weiĂ Kamolz. âDafĂŒr sagen wir danke.â
Das UniversitĂ€re Zentrum fĂŒr Schwerbrandverletzte am Uniklinikum Graz ist ein von der European Burn Association (EBA) verifiziertes Brandverletzten-Zentrum; es erfĂŒllt die höchsten europĂ€ischen QualitĂ€tsstandards und ist neben dem AKH Wien die einzige Einrichtung mit 24/7-Aufnahme kritisch brandverletzter Patient*innen aller Altersgruppen. JĂ€hrlich werden hier zwischen 100 und 180 Patient*innen mit schweren Verbrennungen und verbrennungsĂ€hnlichen Erkrankungen aus dem In- und Ausland betreut â von der Notfallversorgung bis zur Nachbehandlung.
Das Leistungsspektrum umfasst: Akutversorgung schwerer Verbrennungen inkl. Inhalationstrauma, intensivmedizinische Betreuung, chirurgische Akut- und rekonstruktive Eingriffe, spezialisierte Pflege und moderne Schmerztherapie, psychosoziale Begleitung, Physio- und Ergotherapie sowie Langzeitnachsorge und professionelles Narbenmanagement.
Die Spezialisierung liegt in der multidisziplinĂ€ren Akutversorgung, Intensivmedizin, rekonstruktiven Chirurgie und Langzeitrehabilitation schwerbrandverletzter Menschen. In enger Zusammenarbeit mit Fachbereichen wie der Plastischen und Rekonstruktiven Chirurgie, der AnĂ€sthesiologie und der Intensivmedizin, der Kinderklinik sowie der Psychologie und Physiotherapie bietet das Zentrum eine umfassende und ganzheitliche Behandlung â von der Erstversorgung bis zur sozialen Reintegration.
FĂŒr die stationĂ€re Behandlung stehen sechs Betten fĂŒr Erwachsene und drei Betten fĂŒr Kinder zur VerfĂŒgung.
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Mag. Simone Pfandl-Pichler
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