Grazer Studie zeigt hohes Verletzungsrisiko durch E-Scooter
392 verletzte Kinder und Jugendliche in den letzten acht Jahren, 83 Prozent davon waren ohne Helm unterwegs: Eine aktuelle Studie der UniversitĂ€tsklinik fĂŒr Kinder- und Jugendchirurgie am LKH-Univ. Klinikum Graz zeigt, dass Kopfverletzungen und KnochenbrĂŒche zu den hĂ€ufigsten Folgen von E-Scooter-UnfĂ€llen zĂ€hlen. Gerade am heutigen World Brain Day (Tag des Gehirns) machen die Ergebnisse deutlich, wie wichtig das Tragen eines Helms zum Schutz vor schweren Kopfverletzungen ist. Besonders auffĂ€llig: Die Zahl der Verletzten sinkt nach den Sommerferien nicht â sie erreicht im September sogar ihren Höchststand.
E-Scooter gehören fĂŒr viele Kinder und Jugendliche zum Alltag. Doch oft genĂŒgt schon ein kurzer Moment der Unachtsamkeit: Das Kind verliert die Kontrolle ĂŒber seinen E-Scooter, stĂŒrzt und zieht sich eine Kopfverletzung oder einen Knochenbruch zu. Die Studie der UniversitĂ€tsklinik fĂŒr Kinder- und Jugendchirurgie am LKH-Univ. Klinikum Graz zeigt das AusmaĂ: Zwischen 2017 und 2025 wurden dort 392 Kinder und Jugendliche nach E-Scooter-UnfĂ€llen behandelt. Besonders alarmierend: Nur 17 Prozent der VerunglĂŒckten trugen nachweislich einen Helm.
âJedes verletzte Kind ist eines zu viel. Als UniversitĂ€tsklinik fĂŒr Kinder- und Jugendchirurgie behandeln wir nicht nur jede Verletzung, sondern analysieren die Ursachen auch wissenschaftlich. Nur wenn wir die Gefahren kennen, können wir gezielte PrĂ€ventionsmaĂnahmen entwickeln und konkrete Verhaltensempfehlungen ableiten, um solche UnfĂ€lle kĂŒnftig zu verhindernâ, betont Univ.-Prof. Dr. Holger Till, Vorstand der UniversitĂ€tsklinik fĂŒr Kinder- und Jugendchirurgie und PrĂ€sident des Vereins âGroĂe schĂŒtzen Kleineâ, einer der fĂŒhrenden Institutionen fĂŒr KinderunfallprĂ€vention in Ăsterreich.
UnfÀlle von fast 400 Kindern und Jugendlichen wissenschaftlich untersucht
FĂŒr die an der Medizinischen UniversitĂ€t Graz durchgefĂŒhrte Studie unter Leitung von Dr.in Margarita Eibisberger wurden alle Patient*innen ausgewertet, die zwischen 2017 und 2025 nach einem E-Scooter-Unfall an der UniversitĂ€tsklinik fĂŒr Kinder- und Jugendchirurgie Graz behandelt wurden. Insgesamt flossen die Daten von 392 Kindern und Jugendlichen in die Analyse ein.
Das Durchschnittsalter lag bei 12,8 Jahren, rund zwei Drittel der Verletzten waren Buben. Die ĂŒberwiegende Mehrzahl der UnfĂ€lle war auf StĂŒrze ohne Beteiligung anderer Verkehrsteilnehmer*innen zurĂŒckzufĂŒhren. Jeder zehnte Unfall ereignete sich bei einer Kollision mit einem Kraftfahrzeug. Insgesamt entfielen fast 95 Prozent aller UnfĂ€lle auf diese beiden Unfallarten.
AuffĂ€llig war auĂerdem die niedrige Helmtragequote: Nur 17 Prozent der Kinder und Jugendlichen trugen nachweislich einen Helm. Gleichzeitig zĂ€hlen Kopf- und Halsverletzungen sowie KnochenbrĂŒche zu den hĂ€ufigsten Unfallfolgen.
âE-Scooter werden noch immer hĂ€ufig als harmloses FreizeitgerĂ€t wahrgenommen. Unsere Studie zeigt jedoch, dass sie bei Kindern und Jugendlichen mit teils schweren Verletzungen verbunden sind. Besonders auffĂ€llig war die niedrige Helmtragequote. Gerade hier liegt groĂes Potenzial, schwere Verletzungen zu verhindernâ, erklĂ€rt Studienleiterin Dr.in Margarita Eibisberger von der UniversitĂ€tsklinik fĂŒr Kinder- und Jugendchirurgie.
Kopfverletzungen und KnochenbrĂŒche hĂ€ufig
Die Auswertung dokumentierte insgesamt 620 Verletzungen bei 392 Patient*innen. Mehr als jedes dritte Kind erlitt mehrere Verletzungen gleichzeitig, rund 13 Prozent sogar mehr als drei. Am hĂ€ufigsten betroffen waren der Kopf- und Halsbereich sowie die oberen ExtremitĂ€ten. Unter den KnochenbrĂŒchen traten Unterarmfrakturen am hĂ€ufigsten auf. Mehr als sieben Prozent der Kinder mussten operiert werden, rund jedes sechste Kind musste stationĂ€r aufgenommen werden. Ein Kind verstarb nach einer Kollision mit einem Auto an den Folgen seiner schweren Verletzungen.
Von der Forschung in die PrÀvention
Als einzige UniversitĂ€tsklinik fĂŒr Kinder- und Jugendchirurgie in der Steiermark verfĂŒgt die Grazer Kinderchirurgie ĂŒber eine besondere Expertise in der Behandlung schwer verletzter Kinder und Jugendlicher. Die hohe Zahl an Patient*innen ermöglicht es auĂerdem, Unfallmuster wissenschaftlich zu analysieren und daraus gezielte Empfehlungen abzuleiten.
FĂŒr Holger Till sind die Ergebnisse aber weit mehr als eine wissenschaftliche Bestandsaufnahme: âUnsere Studie zeigt deutlich: E-Scooter sind kein harmloses FreizeitgerĂ€t. Wir behandeln immer wieder Kinder mit schweren Kopfverletzungen, KnochenbrĂŒchen oder Mehrfachverletzungen.
Viele der schweren Kopfverletzungen wĂŒrden durch einen Helm vermutlich weniger schwer ausfallen. Unser Ziel muss sein, dass Helmtragen bei E-Scootern genauso selbstverstĂ€ndlich wird wie beim Skifahren oder Radfahren.â
PrĂ€vention ist fĂŒr Till ein wesentlicher Bestandteil moderner Kindertraumatologie. âAls PrĂ€sident des Vereins GroĂe schĂŒtzen Kleine ist es mir wichtig, dass diese Erkenntnisse nicht in einer Fachzeitschrift bleiben, sondern direkt in die AufklĂ€rungsarbeit mit Kindern, Eltern und Schulen einflieĂen. Jede verhinderte Verletzung bedeutet weniger Leid fĂŒr Kinder und ihre Familien.â
E-Scooter-UnfÀlle bei Kindern: Studienergebnisse
- Beobachtungszeitraum: 2017-2025 (8 Jahre)
- verletzte Kinder und Jugendliche: 392
- dokumentierte Verletzungen: 620
- hÀufigste Verletzungen: Kopf-/Halsverletzungen, Unterarmfrakturen
- Kinder mit mehreren Verletzungen: mehr als 33 Prozent
- Kinder mit Multitrauma (mehr als drei Verletzungen): 13 Prozent
- stationĂ€re Aufnahme: rund jedes sechste Kind (â17 Prozent)
- Operation erforderlich: mehr als 7 %
- Helm getragen: 17 Prozent
Sicher unterwegs mit dem E-Scooter â 6 Tipps und die wichtigsten Regeln
- Helm tragen â bei jeder Fahrt und in jedem Alter
Ein gut sitzender Helm ist der wirksamste Schutz vor schweren Kopfverletzungen â auch auf kurzen Strecken. - SchutzausrĂŒstung nutzen
Gerade jĂŒngere Fahrende sollten zusĂ€tzlich Knie-, Ellbogen- und HandgelenkschĂŒtzer verwenden. - Verkehrsregeln einhalten
FĂŒr E-Scooter gelten die Regeln der StraĂenverkehrsordnung. Gefahren werden darf nur dort, wo es gesetzlich erlaubt ist â Gehsteige sind tabu. - Vorausschauend und ohne Ablenkung fahren
Geschwindigkeit anpassen, ausreichend Abstand halten und wÀhrend der Fahrt das Handy nicht benutzen. - Sicher fahren will gelernt sein
Eltern sollten den Umgang mit dem E-Scooter gemeinsam mit ihren Kindern ĂŒben und auf die gesetzlichen Altersvorgaben achten (ab 12 Jahren bzw. ab 9 Jahren mit Radfahrausweis). - Kostenlose E-Scooter-Trainings besuchen
Wer noch keine Fahrpraxis hat oder sich im StraĂenverkehr unsicher fĂŒhlt, kann kostenlose E-Scooter-Fahrsicherheitstrainings besuchen. Dabei werden Bremsmanöver, Ausweichen, Gefahrenwahrnehmung und die wichtigsten Verkehrsregeln praxisnah geĂŒbt.
Die wichtigsten E-Scooter-Regeln in Ăsterreich (seit 1. Mai 2026):
- neue Vorschriften: Helmpflicht bis 16 Jahre, Klingel und Blinker sind verpflichtend, Mitnahme weiterer Personen und GĂŒtertransport sind verboten.
- Mindestalter: ab 12 Jahren, ab 9 Jahren mit Radfahrausweis.
- Fahrbereiche: Es gelten die gleichen Regeln wie fĂŒr FahrrĂ€der â gefahren wird auf Radwegen oder der Fahrbahn, nicht auf Gehsteigen.
- technische Vorgaben: maximal 25 km/h, höchstens 600 Watt, keine Sitzvorrichtung.
- Alkoholgrenze: 0,5 Promille
Presseanfragen
Pressestelle des LKH-Univ. Klinikum Graz
Mag. Simone Pfandl-Pichler
Auenbruggerplatz 1, 8036 Graz
Telefon: +43 316 385-87791
Fax: +43 316 385-16942
Downloads
Abdruck kostenfrei unter korrekter Angabe des Fotocredits: