Ein Jahr Rapid Response Team: Handeln, bevor es zum Notfall kommt

Pressemitteilung

Seit einem Jahr gibt es auf der herzchirurgischen Bettenstation des Uniklinikum Graz ein zusĂ€tzliches Sicherheitsnetz fĂŒr Patient*innen: das Rapid Response Team. Neunmal wurde es seit seiner EinfĂŒhrung im Sommer 2025 gerufen. Das Konzept setzt darauf, kritische VerĂ€nderungen frĂŒhzeitig zu erkennen und intensivmedizinische Expertise direkt ans Krankenbett zu holen. Ziel ist es, kritische Verschlechterungen frĂŒhzeitig „abzufangen“ und Ereignisse wie einen Herzkreislaufstillstand möglichst zu verhindern.

Ein realer Fall aus dem Klinikalltag zeigt, wie das funktioniert: Patient Paul Pichler*, 67 Jahre, ist acht Tage nach seiner erfolgreichen Herzoperation knapp davor, nach Hause entlassen zu werden. Gerade scherzt er noch mit der Pflege, als ihm plötzlich schwindelig wird. Ihm sei „komisch“, sagt er. Die Pflege wird sofort hellhörig und fragt nach.

Wenn erste Warnzeichen auftreten

Nimmt eine Pflegekraft eine solche VerĂ€nderung wahr – oft wird dabei neben der fachlichen EinschĂ€tzung auch vom „BauchgefĂŒhl“ gesprochen –, kann sie einen standardisierten FrĂŒhwarnscore erheben. DafĂŒr werden wichtige Vitalwerte wie Blutdruck, Puls, Atmung und SauerstoffsĂ€ttigung sowie der neurologische Zustand kontrolliert und nach einem festgelegten Punktesystem bewertet. Je stĂ€rker einzelne Werte vom Normalbereich abweichen, desto höher fĂ€llt der Score aus. So werden VerĂ€nderungen nicht nur wahrgenommen, sondern nach einheitlichen Kriterien erfasst und bewertet.

Erreicht der FrĂŒhwarnscore einen definierten kritischen Wert, holt sich das Stationsteam zusĂ€tzliche UnterstĂŒtzung vom Rapid Response Team: Eine AnĂ€sthesistin bzw. ein AnĂ€sthesist und eine Pflegeperson der Intensivstation kommen ans Krankenbett, beurteilen gemeinsam mit dem Team vor Ort die Situation und leiten bei Bedarf weitere Untersuchungen oder Behandlungen ein. Das Rapid Response Team setzt sich aus dem jeweils diensthabenden Ă€rztlichen und pflegerischen Personal der Intensivstation zusammen.

Der entscheidende Unterschied zum klassischen Reanimationsteam liegt im Zeitpunkt der Aktivierung: WĂ€hrend das Reanimationsteam bei einer bereits eingetretenen akuten lebensbedrohlichen Situation zum Einsatz kommt, wird das Rapid Response Team aufgrund definierter Warnzeichen bereits frĂŒher hinzugezogen.

„Entscheidend ist, dass PflegekrĂ€fte mit ihrer Wahrnehmung nicht alleine bleiben. Wenn Werte oder auch der klinische Eindruck zeigen, dass etwas nicht stimmt, gibt es einen klar definierten Weg, rasch intensivmedizinische Expertise ans Krankenbett zu holen. Der FrĂŒhwarnscore gibt uns dabei klare Kriterien und zusĂ€tzliche Sicherheit“, erklĂ€rt DGKP Christoph Kumpitsch, MSc, Leiter der Intensiv Herz / Transplant C-Station.

Neun EinsÀtze im ersten Jahr

Seit der EinfĂŒhrung im Sommer 2025 wurde das Rapid Response Team auf der herzchirurgischen Bettenstation neunmal aktiviert. Drei der neun Patient*innen wurden anschließend auf die Intensivstation ĂŒbernommen und konnten diese einen Tag danach wieder verlassen. Die ĂŒbrigen sechs konnten nach AbklĂ€rung und Behandlung auf der Normalbettenstation oder auf der IntensivĂŒberwachung weiterbetreut werden. 

Auch die Zahl der Aktivierungen ist fĂŒr Michael Schörghuber, Ă€rztlicher Leiter der Intensivstation, eine wichtige Erkenntnis aus dem ersten Jahr: „Neun EinsĂ€tze in einem Jahr entsprechen ziemlich genau dem, was aufgrund der Erfahrungen mit vergleichbaren Systemen zu erwarten war. Das zeigt uns auch, dass der FrĂŒhwarnscore, den wir speziell fĂŒr unsere Herzbettenstation entwickelt haben, gut eingestellt ist. Wir sehen derzeit keinen Grund, die Kriterien fĂŒr eine Aktivierung zu verĂ€ndern.“

Bei Paul Pichler steckte eine innere Blutung – eine selten auftretende, aber bekannte Komplikation nach einer Herzoperation – hinter seinem plötzlichen Schwindel. Sie machte einen weiteren operativen Eingriff notwendig. Nach der Behandlung erholte sich der 67-JĂ€hrige gut und konnte schließlich nach Hause entlassen werden.

International etabliert

Rapid-Response-Systeme sind insbesondere im englischsprachigen Raum seit vielen Jahren etabliert. Zu den Vorreitern zĂ€hlt Australien, wo das frĂŒhzeitige Erkennen und Behandeln einer akuten Verschlechterung heute in den nationalen QualitĂ€ts- und Sicherheitsstandards fĂŒr KrankenhĂ€user verankert ist.

Auch an mehreren UniversitĂ€tskliniken im deutschsprachigen Raum kommen vergleichbare Modelle zum Einsatz, hĂ€ufig unter der Bezeichnung „Medical Emergency Team“. Gemeinsam ist diesen Systemen, dass VerĂ€nderungen anhand definierter Kriterien erkannt und bei Bedarf frĂŒhzeitig zusĂ€tzliche Expertise hinzugezogen wird.

Das Uniklinikum Graz hat dieses international etablierte Konzept an die Strukturen und BedĂŒrfnisse der herzchirurgischen Bettenstation angepasst. Die Erfahrungen des ersten Jahres sollen nun auch in die schrittweise Ausweitung am Klinikum einfließen.

* Name des Patienten zum Schutz seiner PrivatsphÀre geÀndert.

Rapid Response Team: So funktioniert es

  • Was ist ein Rapid Response Team?
    Ein Rapid Response Team (RRT) ist ein Team der Intensivstation, das zusĂ€tzlich gerufen wird, wenn sich der Zustand eines Patienten auf einer Bettenstation kritisch verschlechtert. Ziel ist es, möglichst frĂŒh einzugreifen und einen lebensbedrohlichen Notfall – etwa einen Herz-Kreislauf-Stillstand – nach Möglichkeit zu verhindern. 
  • Was ist daran neu?
    Nicht die rasche medizinische Versorgung bei einer Verschlechterung – die ist selbstverstĂ€ndlich. Neu ist der standardisierte Ablauf, mit dem Warnzeichen frĂŒh erkannt und zusĂ€tzliche UnterstĂŒtzung bereits zu diesem Zeitpunkt hinzugezogen wird.
  • Wie werden Warnzeichen erkannt?
    Vitalwerte wie Blutdruck, Puls, Atmung und SauerstoffsĂ€ttigung und Neurologie werden regelmĂ€ĂŸig erhoben und anhand eines standardisierten FrĂŒhwarnscores bewertet.
  • Wann wird das Team gerufen?
    Erreicht der FrĂŒhwarnscore einen festgelegten kritischen Wert, wird das Rapid Response Team verstĂ€ndigt.
  • Was ist der Unterschied zu einem Reanimationsteam?
    Das Reanimationsteam kommt zum Einsatz, wenn bereits eine akute lebensbedrohliche Situation eingetreten ist. Das Rapid Response Team setzt frĂŒher an – wenn Warnzeichen auf eine kritische Entwicklung hindeuten.
  • Was ist das Ziel?
    Eine kritische Verschlechterung möglichst frĂŒh abfangen – im besten Fall, bevor eine Reanimation oder eine Verlegung auf die Intensivstation notwendig wird.

Presseanfragen

Pressestelle des LKH-Univ. Klinikum Graz
Mag. Simone Pfandl-Pichler
Auenbruggerplatz 1, 8036 Graz

Telefon: +43 316 385-87791
Fax: +43 316 385-16942

simone.pichler@uniklinikum.kages.at

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