Lebensretter nach fast dreijähriger Suche gefunden
Ein Urlaub in Lignano, ein Kreislaufzusammenbruch und ein diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger aus der Steiermark, der zufällig zur richtigen Zeit am richtigen Ort war: Anfang September 2023 wurde einem Steirer während seines Urlaubs in Italien das Leben gerettet. Was folgte, war eine Suche nach dem unbekannten Retter, die mithilfe einer Vielzahl an Helfer*innen und der Telefonvermittlung des Uniklinikum Graz nach fast drei Jahren zum Ziel führte.
8. September 2023, ein sonniger Tag in Lignano. Peter Bauer sitzt mit seiner Familie in einer Strandbar und genießt seinen Urlaub, als plötzlich sein Kreislauf versagt. Er wird bewusstlos, sein Kopf kippt, die Zunge rutscht nach hinten und verschließt die Atemwege. Sein Schwiegersohn in spe ist sofort alarmiert, handelt schnell und will durch lautes Rufen in der vollen Strandbar ärztliche Hilfe finden.
Ein paar Tische weiter sitzt ein Krankenpfleger mit seiner Familie. Er hört die Rufe und eilt zu Bauer, erkennt den Ernst der Lage, holt die Zunge des Bewusstlosen nach vorne und legt damit die Atemwege wieder frei. Kurz darauf ist zu hören, wie Herr Bauer kräftig Luft holt. „Als er wieder durchgeatmet hat und zu Bewusstsein gekommen ist, ist das auch für mich ein tolles Gefühl gewesen“, erzählt der Pfleger.
Alles passiert innerhalb weniger Minuten. Was in der Aufregung allerdings völlig untergeht, ist, dass jemand nach dem Namen oder der Telefonnummer des Mannes, der gerade ein Leben gerettet hat, fragt. In der Zeit nach dem Vorfall wird für Bauer der Wunsch deshalb immer größer, seinem Lebensretter persönlich Danke zu sagen. Und damit startet eine Suche, die fast drei Jahre dauern sollte.
Gesucht: steirischer Pfleger mit braunen Haaren
Nach dem Urlaub erzählt Bauer die Geschichte immer wieder in seinem Bekanntenkreis, in der Hoffnung, eine Spur zu finden. So bekommt auch Tanja Baldasty davon mit. Sie leitet am LKH-Univ. Klinikum Graz im Bereich MedOffice ein 29-köpfiges Team, das unter anderem im Servicezentrum für die Telefonvermittlung zuständig ist. Baldasty wird zur neuen Hoffnung während der Suche, denn die wenigen Details, an die sich Bauer erinnern kann, sind, dass sein Lebensretter braune Haare hat, Steirer ist und als Pflegekraft auf einer Lungenintensivstation arbeitet.
Daten oder Fotos von Mitarbeiter*innen herauszugeben, kommt aus Datenschutzgründen für Baldasty natürlich nicht infrage, also aktiviert sie außerhalb der Arbeitszeit ihr persönliches Netzwerk aus Kolleg*innen verschiedenster Abteilungen. Sekretariate, Kolleg*innen und sogar ehemalige Mitarbeiter*innen werden kontaktiert. Die Geschichte verbreitet sich über die Sozialräume und Pausen, es entsteht sogar eine eigene WhatsApp-Gruppe. Stück für Stück unterstützen immer mehr Menschen aus den unterschiedlichen Berufsgruppen des Uniklinikum Graz bei der Suche.
Eine Spur von Sonja Prem, die auch Teil des Vermittlungsteams ist, führt schließlich über die ehemalige Lungenintensivstation zu drei Männern, die zur Beschreibung passen könnten. Zwar ist keiner der drei Männer der gesuchte, aber einer davon, Marc Perhab, DGKP an der Endoskopie-Ambulanz der Klinischen Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie, erzählt die Geschichte seiner Partnerin Mia Rauter. Sie arbeitet als DGKP am LKH Graz II, Standort Enzenbach.
Also verbreitet sich die Geschichte von dem unbekannten Lebensretter auch in Enzenbach, bis dort nach insgesamt zweieinhalb Jahren Suche ein Name fällt: Christoph Krammer.
Die Telefonvermittlung am LKH-Univ. Klinikum Graz
Die Telefonvermittlung gehört zum Bereich MedOffice, das über 400 Mitarbeiter*innen hat. Das Team VI, das von Tanja Baldasty geleitet wird, umfasst derzeit 29 Mitarbeiter*innen. 17 davon arbeiten im Servicezentrum (Vermittlung/Portier), 12 beim Schreibdienst.
Das Vermittlungsteam ist rund um die Uhr im Einsatz und hat im Vorjahr 877.476 Gespräche entgegengenommen, das sind pro Wochentag (Mo-Fr) rund 3.000 Gespräche. Außerhalb der Regelbetriebszeit vermitteln die Mitarbeiter*innen auch Gespräche für das LKH Weiz, LKH Südweststeiermark (Wagna, Deutschlandsberg, Bad Radkersburg), für die KAGes (Stiftingtalstraße) und die Med Uni Graz.
Am häufigsten bearbeitet das Team
- Terminanfragen,
- Terminverschiebungen,
- Wegbeschreibungen,
- die Weiterleitung bei Rückfragen an Ärzt*innen und
- die Weiterleitung bei Befund- und Behandlungsfragen.
Anfragen von Privatpersonen, die über die Telefonvermittlung Personen ausfindig machen wollen, werden grundsätzlich aus Datenschutzgründen nicht bearbeitet. Ausnahmen sind zum Beispiel Anfragen bei Fahndungen, die dann aber von der Polizei gestellt werden.
Nach fast drei Jahren klingelt das Telefon
Anfang Juli telefonieren Krammer, der als DGKP am LKH Graz II, Standort Enzenbach arbeitet, und Bauer zum ersten Mal miteinander. „Es war ein sehr emotionales Gespräch. Ich konnte ihm endlich persönlich sagen, wie dankbar ich ihm bin und dass ich ihm mein Leben verdanke“, erzählt Bauer. Besonders beeindruckt habe ihn, wie locker und bescheiden Krammer reagiert hat.
Denn Krammer hat gar nicht mehr damit gerechnet, kontaktiert zu werden. Für ihn ist die Sache erledigt gewesen: „Erste Hilfe zu leisten, ist für mich selbstverständlich. Ich habe mich aber sehr gefreut, besonders, als ich gehört habe, dass Herr Bauer gesund und fit ist.“
Wenig später kommt es am Uniklinikum Graz zum persönlichen Treffen. Gemeinsam mit einem Teil der Menschen, die an der Suche beteiligt gewesen sind, sehen sich Lebensretter und Geretteter erstmals nach fast drei Jahren wieder.
Auch dem Team der Telefonvermittlung rund um Baldasty sagt Bauer Danke, mit einer Karte, die auch heute noch im Büro hängt. „Wir haben uns sehr über den herzlichen Dank und die Wertschätzung von Peter Bauer gefreut“, sagt Baldasty. „Unsere Arbeit findet oft im Hintergrund statt und wird manchmal erst bemerkt, wenn etwas nicht funktioniert. Es ist schön, dass wir einen Teil zur erfolgreichen Suche beitragen konnten und dass auch im großen Uniklinikum die Zusammenarbeit und der Austausch zwischen den unterschiedlichen Bereichen dies ermöglicht hat.“
„Jede*r kann Lebensretter*in werden“
Krammer nimmt aus der Geschichte vor allem eines mit: „Ich würde jedem Menschen ans Herz legen, keine Angst davor zu haben, zu helfen. Es ist viel schlimmer, nichts zu unternehmen. Das Gesetz schützt Ersthelfer, die nach bestem Wissen und Gewissen handeln. Jede*r kann Lebensretter*in werden – man muss sich nur trauen, etwas zu tun.“
Peter Bauer geht es heute gut. „Ich genieße jeden Tag noch bewusster als früher. Dieses Erlebnis hat mir gezeigt, wie kostbar und zugleich wie zerbrechlich das Leben ist.“ Umso schöner sei es für ihn gewesen, seinem Lebensretter nach einer fast dreijährigen Suche wieder gegenüberzustehen.
Presseanfragen
Pressestelle des LKH-Univ. Klinikum Graz
Mag. Simone Pfandl-Pichler
Auenbruggerplatz 1, 8036 Graz
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