Ein Jahr Pflegelehre am LKH Weiz
Jana SchĂŒtter, Tamara Berenyi und Florian Friesenbichler sind die ersten Lehrlinge der KAGes, die zu Pflegefachassistent*innen ausgebildet werden. Nach ihrem ersten Jahr im LKH Weiz trafen sie Pflegedirektorin Gabriele Möstl zum Austausch. Dabei ging es um fĂŒnf Minuten, die fĂŒr Patient*innen viel bedeuten können, um schwierige Momente â und um drei Jugendliche, die heute manches anders sehen als noch vor einem Jahr.
Mit ihrer Ausbildnerin DGKP Angelika Flechl trafen Jana, Tamara und Florian am Uniklinikum Graz Pflegedirektorin Gabriele Möstl. Ein Jahr nach dem Start ihrer Ausbildung war Zeit fĂŒr eine erste Bilanz: Wie gut sind die drei im Pflegealltag angekommen? Welche Erfahrungen haben sie in Berufsschule und Praktika gesammelt? Was haben die ersten Begegnungen mit Patient*innen mit ihnen gemacht? Und was hat sich in diesen zwölf Monaten verĂ€ndert?
âIch glaube, ich bin vor allem reifer gewordenâ, sagt Florian. Gesundheit und Zeit sehe er heute nicht mehr als selbstverstĂ€ndlich an. Jana geht es Ă€hnlich: Wer tĂ€glich Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen begleitet, merke, âwie wertvoll Gesundheit, Lebenszeit und die kleinen Dinge im Alltag eigentlich sindâ. Auch Tamara sagt, sie schĂ€tze ihre Gesundheit und ihr Leben heute viel mehr.
Manchmal reichen fĂŒnf Minuten
Als die drei im September 2025 ihre Lehre zur Pflegefachassistenz begannen, waren sie 15 bzw. 16 Jahre alt und hatten kein pflegerisches Vorwissen. Eine Besonderheit der Pflegelehre: Pflegerische TĂ€tigkeiten direkt an Patient*innen dĂŒrfen die Jugendlichen erst ab dem 17. Lebensjahr ĂŒbernehmen. Bis dahin spielt unter anderem das Simulationstraining eine wichtige Rolle. Jana ist inzwischen 17 und darf das Gelernte bereits unmittelbar bei Patient*innen anwenden. Tamara und Florian können ihren 17. Geburtstag daher kaum erwarten.
Dass es in der Pflege nicht nur um Handgriffe geht, haben die drei lĂ€ngst erfahren. Tamara erzĂ€hlt von Patient*innen, denen schon ein kurzes GesprĂ€ch den Tag verschönert. âManchmal dauert es vielleicht nur fĂŒnf Minuten, die man sich nimmt, um mit jemandem zu reden, und es verĂ€ndert schon sehr viel.â Auch Florian hat erlebt, wie wichtig Zuhören sein kann. Jana bestĂ€tigt, dass manchmal ein GesprĂ€ch, etwas Zeit oder UnterstĂŒtzung im Alltag genĂŒgen, damit es einem Menschen besser geht.
FĂŒr Angelika Flechl sind es gerade solche Beobachtungen, die zeigen, was sich im ersten Jahr getan hat. âSie sehen Dinge und werden selbststĂ€ndig aktivâ, sagt die Praxisanleiterin. Einen leeren Trinkbecher etwa, den Patient*innen nicht selbst nachfĂŒllen können. Oder einen Menschen, der gerade jemanden zum Reden braucht. Auch in den Teams seien die drei lĂ€ngst gut angekommen, sagt Pflegeleitung Heidelinde Bachler. Die Kolleg*innen haben sie von Beginn an ins Team integriert, auch die Zusammenarbeit mit den anderen Berufsgruppen funktioniere sehr gut.
Und etwas freut Flechl besonders: Nach jedem der drei Lehrlinge hĂ€tten Patient*innen bereits ausdrĂŒcklich gefragt. âWo ist denn heute die Tamara?â, âWo ist die Jana?â oder âWo ist der Florian?â SĂ€tze, die den Jugendlichen zeigen, dass ihre Anwesenheit und ihre Persönlichkeit fĂŒr Patient*innen immer wieder den Unterschied ausmachen.
Ausgezeichneter Erfolg â und ein Jobangebot
Auch die nĂŒchternere Zwischenbilanz kann sich sehen lassen: Alle drei haben das erste Berufsschuljahr mit ausgezeichnetem Erfolg abgeschlossen, aus den Praktika kamen durchwegs positive RĂŒckmeldungen. Jana SchĂŒtter ist zudem fĂŒr den Vita Pflegeaward 2026 der Kleinen Zeitung in der Kategorie âPfleger*in Ausbildungâ nominiert.
Besonders in Erinnerung geblieben ist Tamara ihr dreiwöchiges Praktikum in der Behindertenbetreuung bei LebensGroĂ in Gratkorn. âDas waren die schönsten drei Wochen meines Lebensâ, erzĂ€hlt sie. Die betreuten Menschen hĂ€tten nach ihr gefragt, sich gefreut, wenn sie kam, und seien traurig gewesen, als das Praktikum zu Ende ging. âDa merkt man, dass man einen Eindruck hinterlĂ€sst â oftmals mehr, als man glaubt.â Und offenbar hinterlieĂ Tamara einen bleibenden Eindruck: Am Ende des Praktikums hatte sie bereits ein Jobangebot fĂŒr die Zeit nach ihrem Lehrabschluss.
Dass ihnen mittlerweile einiges zugetraut wird, erleben alle drei auch auĂerhalb ihrer Ausbildung. Im Freundeskreis und in der Familie gelten sie inzwischen als erste Anlaufstelle fĂŒr Gesundheitsfragen. âMuss ich mit dieser Wunde zum Arzt oder heilt das auch so?â â fĂŒr solche Fragen werden die angehenden Pflegefachassistent*innen bereits âkonsultiertâ. Eine ungewohnte Rolle, in der sie auch lernen mĂŒssen, die Grenzen des eigenen Wissens zu kennen.
Nicht jeder Tag ist leicht
Zur Pflege gehören allerdings auch Erfahrungen, auf die man Jugendliche nur bedingt vorbereiten kann. Tamara spricht offen ĂŒber plötzliche Verschlechterungen oder den Tod von Patient*innen, die einem bereits nahegekommen sind. Solche Situationen können trotz aller gelernten Regeln ĂŒber NĂ€he und Distanz belasten.
FĂŒr Flechl bestand deshalb von Anfang an eine wichtige Aufgabe darin, den âRucksackâ der Jugendlichen nicht nur mit Wissen, sondern auch mit Werkzeugen fĂŒr schwierige Situationen zu fĂŒllen. Die drei seien erstaunlich reflektiert und bereit, auch ĂŒber emotional Erlebtes zu sprechen. âEine offene GesprĂ€chskultur ist essenziell.â
Das erste Lehrjahr hat auch Flechls Blick verĂ€ndert. Nach vielen Berufsjahren sehe sie durch die Neugier der drei manches wieder mit anderen Augen. Denn manchmal hĂ€tten nicht nur die Jugendlichen sie als Ausbildnerin gebraucht â auch sie selbst habe durch die drei Neues gelernt.
Und umgekehrt? Florian ist besonders dankbar, dass seine Ausbildnerin ihm immer geholfen und ihn unterstĂŒtzt hat. Jana hebt ihre UnterstĂŒtzung und Motivation hervor, und fĂŒr Tamara zĂ€hlt Flechl ganz selbstverstĂ€ndlich zu jenen Menschen, auf die sie nach diesem ersten Jahr âbesonders stolzâ ist.
Dem kann auch Pflegedirektorin Gabriele Möstl nur zustimmen: âMein besonderer Dank gilt unserer Praxisanleiterin vor Ort, die diese Form der Ausbildung mit groĂem Engagement begleitet. Sie ist damit eine echte Pionierin und hat wesentlich dazu beigetragen, dass das erste Jahr der Pflegelehre am LKH Weiz so erfolgreich verlaufen ist.â
Erfahrung sammeln, offen fĂŒr die Zukunft
Das Pilotprojekt im Verbund LKH-Univ. Klinikum Graz bleibt vorerst genau das: ein Pilotprojekt. Wie die Pflegelehre zur Pflegefachassistenz nach Abschluss dieses ersten Ausbildungsdurchgangs fortgefĂŒhrt wird, ist noch offen. âWir begleiten unsere Auszubildenden jetzt einmal durch die vier Jahre und lernen gemeinsam aus dieser Zeitâ, sagt Möstl. âDann wird sich zeigen, wie wir das Modell fĂŒr die Zukunft weiterentwickeln werden.â
Angelika Flechls persönliche Zwischenbilanz fĂ€llt nach dem ersten Jahr eindeutig aus: âIch bin unglaublich glĂŒcklich mit der Lehrlingsauswahl.â Und darĂŒber, âdrei so wundervolle junge Menschen ein StĂŒck ihres Lebens begleiten zu dĂŒrfenâ.
Start: September 2025
Ausbildungsdauer: Vier Jahre. Die praktische bzw. fachliche Ausbildung findet am LKH Weiz und in weiteren Praktikumsbereichen statt. Die Berufsschule wird in Bad Radkersburg besucht.
Besonderheit: Am LKH Weiz werden erstmals innerhalb der KAGes Lehrlinge zur Pflegefachassistenz ausgebildet. Zuvor startete die KAGes 2024 am LKH Graz II mit der Pflegelehre zur Pflegeassistenz.
Praxis: Pflegerische TÀtigkeiten an Patient*innen sind ab dem 17. Lebensjahr möglich. Davor werden praktische Fertigkeiten unter anderem im Simulationstraining vermittelt.
Abschluss: Pflegefachassistenz (PFA)
ZusÀtzlich möglich: Lehre mit Matura
Presseanfragen
Pressestelle des LKH-Univ. Klinikum Graz
Mag. Simone Pfandl-Pichler
Auenbruggerplatz 1, 8036 Graz
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